Trivial

Alle schrei­ben alles. Alle foto­gra­fie­ren alles.
Alle hören alles. Alle machen Musik. Alle malen. Alle tan­zen Tango. Alle glo­be­trot­ten. Alle foto­gra­fie­ren Ber­lin im Schnee. Alle haben schon­mal einen eige­nen Gedicht­band raus­ge­bracht. Alle blog­gen. Alle twit­tern. Alle ver­wirk­li­chen sich total. Alle sind Jour­na­lis­ten. Alle sind keine Jour­na­lis­ten. Alle kom­mu­ni­zie­ren allen alles jeder­zeit. Alle fil­men sich beim ficken. Und fli­ckern und blog­gen es. Alle haben gerade Erkäl­tung. Allen ist gerade die Katze gestor­ben. Alle waren schon­mal im Fern­se­hen. Indem das Beson­dere All­ge­mein­gut und Pro­mi­nenz das Resul­tat von Los­zie­hun­gen wurde, wurde die Exzel­lenz tri­vial. Das ist die digi­tale Kon­ter­re­vo­lu­tion, Schnucki. Die wahre neue Pro­mi­nenz ist das Unpro­mi­nente, das ist der nicht­kom­mu­ni­zierte Kuss, der nicht gefilmte Sex, die nicht foto­gra­fierte Katze, also das heim­li­che Leben, das was nicht her­vor­sticht. Das Unpro­mi­nente ist die neue Pro­mi­nenz. Und weißt du was trau­rig ist, Schätz­chen? Indem ich die­sen exzel­len­ten Gedan­ken in das Vakuum dei­nes hüb­schen Schä­dels publi­ziere, ist auch er schon wie­der trivial.
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