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Jean Dujardin ist Lucky Luke

« Kaï kaï kaï! » (Rantanplan)

Lucky Luke (2009): Jean Dujardin in der Titelrolle

Freude! Lucky Luke ist wieder da! Um zu verstehen, warum das ein kleines Wunder ist, muss ich einen Absatz lang ausholen.

Absatz.

Mit den knalligen Kostümfarben der Protagonisten haben die Verfilmer von Comics seit jeher Probleme, weil sie auf der Kinoleinwand schlicht albern wirken. Besonders schwer ist die Kombination von Blau, Rot und Gelb, der Grundfarben, die das Outfit sowohl von Superman als auch von Lucky Luke ausmachen. Beide Helden mussten so albern rumlaufen, weil die bunten Comicbeilagen der Zeitungen, in denen sie vor sechzig, siebzig Jahren beheimatet waren, Farben aus Kostengründen meist nur monochrom druckten. Das ging in den Zeitungen, das ging gar nicht im Kino. So wirkt Superman in allen Verfilmungen albern und auch vom Comicklassiker „Lucky Luke“ gab es bisher nur zwei „Thema verfehlt“-Realverfilmungen.

Lucky Luke (1991): Terence Hill1991 schlüpfte Spaghettiwestern-Ikone Mario Girotti alias Terence Hill in die Rolle des Lonesome Riders – lieferte aber nur eine langatmige Parodie seiner „Nobody“-Filme. Luck Luke gegen die Daltons (2004): Til Schweiger2004 schuf Regisseur Philippe Haïm dem französischen Comedy-Duo Eric & Ramzy für ihre platten Gags eine als Gelddruckmaschine geplante Kinoplattform, die der deutsche Verleih vergeblich als „Lucky Luke gegen die Daltons“ auf den Markt warf – was zudem ein Mogeltitel war, denn tatsächlich kam Lucky Luke in dem dreisten Blödelstreifen nur sechs Minuten vor und die Rolle wurde zudem vom als Quotengermanen gewohnt fehlbesetzten Til Schweiger vertraut zuverlässig versemmelt. Nach so vielen Sockenschüssen schien Lucky Luke fürs Kino gestorben zu sein. Bis jetzt: Gott sei Dank bekommt der Comic-Klassiker von Morris und René Goscinny („Asterix und Obelix“) jetzt endlich eine würdige Kinohommage: Lucky Luke kommt im Herbst 2009 zum dritten Mal als Realverfilmung ins Kino.

Absatz Ende.

Regisseur James Huth („Brice de Nice“) hat die neuste Adaption gerade abgedreht – in der Hauptrolle: der französische Shootingstar Jean Dujardin („OSS 117“, demnächst auch in Deutschland auf DVD), dem die Rolle des Comic-Cowboys auf den Leib geschneidert scheint. Kostüm und Maske haben ganze Arbeit geleistet. Das Comic-Kostüm bleibt, anders als bei Terence Hill, erhalten – wirkt aber trotz der Tatsache, dass es in den Grundfarben Blau, Gelb und Rot gehalten ist authentisch, da ordentlich angeschmuddelt (im Gegensatz zum Til-Schweiger-Kostüm, das so gelackt sauber war, als käme es direkt aus der Karnevalsabteilung eines Kölner Kaufhauses). Selbst Lucky Lukes Leningrad-Cowboys-Gedächtnis-Tolle steht Jean Dujardin erschreckend glaubwürdig zu Gesicht.

Inhaltlich, das lässt der erste Trailer erahnen, bekommen wir es neben einer authentischen Comicverfilmung auch mit einer  genussvollen Genreparodie zu tun. So nuckelt der Titelheld zwar weiter an Strohhalm statt Selbstgedrehter (das Kettenrauchen hatten ihm Zeichner und Autor im Zuge einer französischen Nichtraucherkampagne schon 1983 abgewöhnt), aber die Welt, in der er sich bewegt ist eindeutig die schmutzige Welt der Spaghettiwestern in der Luke wie in den Comic-Anfängen 1946 seinen virtuosen Umgang mit dem Revolver („schießt schneller als sein Schatten“) schon mal mit dem ein oder anderen finalen Rettungsschuss krönen darf. Nach diversen Schulmassakern frage ich mich zwar, warum man wohl nicht quarzen, dafür aber ballern darf, aber, hey, es ist Popcornkino.

Freut Euch mit mir, hier ist der erste offizielle Trailer:

Was für ein Popöchen.

www.lucky-luke-le-film.com

5 Kommentare

  1. Ich hab’ ein Problem mit dem Begriff Spaghetti-Western, weil ich damit Filme wie “Die linke und die rechte Hand des Teufels” und “Vier Fäuste für ein Halleluja” verbinde. Spaghetti-Western wird allerdings gleichbedeutend Italo-Western verwendet. Italo-Western widerum sind, in meinen Augen, zB “Spiel mir das Lied vom Tod”, “Für eine Handvoll Dollar” und “Für ein paar Dollar mehr”.

    “Mein Name ist Nobody” wäre somit für mich der einzig gute Spaghetti-Western, definierte man die Genre wie ich in meinem Kopf. “Nobody ist der Größte” wurde auch nur in Deutschland als Nachfolger vermarktet und kann dem Original meiner Meinung nach nicht das Wasser reichen.

    Jetzt habe ich völlig an Jean Dujardin und Lucky Luke vorbeigeredet, allerdings habe ich auch noch keine der Comic-Verfilmungen gesehen. Mir ist allerdings beim Durchstöbern der Datenbank aufgefallen, dass Jean Dujardin bereits in „Lucky Luke gegen die Daltons“ mitgespielt hat – als Cowboy Vanneur. Die Welt ist zu klein.

  2. Schnuckelchen Melvil Poupaud als Jesse James und Sylvie Testud als Calamity Jane? Der Film ist gebucht.
    Jetzt will ich aber auch “Largo Winch” endlich mal in einem deutschen Kino sehen, wenn ich mir hier mal was wünschen darf.

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