Tag-Archiv: Künstlerausgang

2009-07-22

„Yellow Submarine“ hab ich als Kind geliebt, für Willy Fleckhaus’ „twen“ steuerte er Illustrationen bei. Ein Kinderbuch hat er gezeichnet, in dem zwei Astronauten namens Castrop und Rauxel das Weltall bereisen. Jahrelang hab ich mich auf die von mir abonnierten Programminformationen und Plakate des WDR gefreut, die er in den 1970ern gestaltete. Sein Zeichenstil war von der Sorte eigen, die sich in meinen Kopf fraß. Als ich klein war, wirkte alles was er zeichnete wie noch heute das ganze Leben: irgendwas zwischen bunter Zuckerstange und unheimlich. Weggefährte Robert Pütz schreibt einen Nachruf in form und verlinkt ein paar schöne Interviews und Bildsammlungen.

Farewell, Heinz Edelmann.

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2009-07-18

Walter Cronkite. Foto: LIFE, Walter Bennett.

Da sind wir, uns wir fühlen uns wichtig. Für einen Moment vergessen wir unsere Sterblichkeit, weil wir eine Aufgabe erfüllen. Die Aufgabe ist ein Vergessmittel, eine Droge. Vielleicht überlebt es uns sogar, das, was wir im Dienst der Aufgabe getan haben? Wir halten uns fest an Mikrofonen und Kameras, Dingen die Spuren von dem festhalten, was unbedingt verschwinden wird: wir. Verbrannt, verscharrt, vergessen. Wer erinnert sich noch an den Bäcker Joe Kowalski, der in der 13., Ecke Union Square in New York von 1902 bis 1943 die besten Bagles der Stadt machte? Wer erinnert sich an seine Frau Aneta, die die Sonne aufgehen ließ, wann immer sie das Ladenlokal betrat? Und an all die Kunden, die Aneta und Joe als das größte Traumpaar aller Zeiten feierten? Wer erinnert sich an ihre rauchige Stimme und ihr unwiderstehliches Lächeln? Wer erinnert sich an Joes chaotisches Wesen, den Wirrkopf der nur dann voll konzentriert schien, wenn er seine Bagles ins Honigwasser tauchte? Niemand. Kein Wunder, denn ich hab’ ihn gerade erfunden. Oder nicht? Sehen Sie.

Wem bedeutet es hierzulande etwas, dass in Amerika gerade Walter Cronkite gestorben ist, der Mann auf dem Foto da oben? Walter Cronkite, der Hajo Friedrichs der USA. Wer war Hajo Friedrichs? Sehen Sie. Walter Cronkite. Hinter seinem Mikrofon mit dem Telefon am Ohr sieht er so aus, als lebe er im festen Gefühl (und er gibt es an uns weiter), alles würde immer so weitergehen, als würde alles immer existieren, so wie er und seine Aufgabe: „to hold up the mirror – to tell and show the public what has happened“. Dabei ist nichts für ewig und es kommt für alle der Tag, an dem sie nur noch ein Katzenleben haben oder weniger. Ob wir Bagles backen, die Liebe unseres Lebens finden, ob wir den Flugschein machen, um in ein Haus zu fliegen oder ob wir über all dies berichten.

Das Mikrofon ist nicht wichtig.

Wichtig sind die Menschen, die unsere Hand halten, bis wir wieder verschwinden. Die sind auch da, wenn wir das Mikrofon nicht mehr halten können. Und werden wie wir, aber was können wir schon dagegen tun, vergessen von einer Spezies, die nicht mal so einen Kleinkram wie Ewigkeit oder die Unendlichkeit des Universums begreift. Wie Walter Cronkite immer sagte: „And that’s the way it is”.

Weiter mit Musik.

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2009-07-08

zeichnung-von-michael-jackson Was wissen wir? Wer von uns war je Kinderstar? Amerika beerdigt den schwarzen Heintje. Was wir über ihn wissen, wissen wir aus den Medien. Dieselben Medien, die schon vor einem Vierteljahrhundert bei Demos gegen den NATO-Doppelbeschluss aus 20 Hooligans Tausende von Terroristen gemacht haben – einfach weil 20 Molli-Werfer in der Tagesschau besser aussehen, als eine Million Menschen, die Tofuburger essen und gegen Atomraketen demonstrieren.

Wenn ein tyrannischer Vater seinem Sohn für eine Medienkarriere die Kindheit raubt, ist es zumindest denkbar, dass der Sohn wirklich keine sexuellen Ambitionen hat, wenn er sich mit Kindern umgibt, um ihnen die Kindheit zu geben, die er selber nicht hatte. Es ist zumindest denkbar, dass er mit ihnen wirklich nur die Kindheit nachzuerleben versucht, die ihm in seiner eigenen Kindheit qua väterlicher Amibitionen versagt war.

Es ist zumindest denkbar.

Die Tränen von Brooke Shields, einer Freundin des zu Grabe Getragenen, die von ihrer Mutter ihrer eigenen Kindheit in den 1980ern brutal beraubt wurde, sprechen ihre eigene Sprache. Und wenn der Prediger und Bürgerrechtler Al Sharpton den Kindern des Verstorbenen sagt: „Euer Vater war nicht seltsam. Seltsam waren die Dinge, mit denen euer Vater umgehen musste“, und wenn diesem Satz Standing Ovations folgen, und wenn die Tochter des Toten eine völlig normale Zwölfjährige zu sein scheint, wenn sie, allem Anschein nach ohne Zwang, das Wort ergreift und tränenerstickt wieder abgibt, weil sie außer ihrer Liebe zu ihrem Vater nichts auszudrücken imstande ist, dann ist es zumindest denkbar, dass das wahr ist.

Al Sharpton hat nicht, wie Spiegel Online schreibt, Michael Jacksons Vater umarmt. Joseph Jackson kam nach Sharptons Nekrolog auf diesen zu und bot ihm eine Umarmung an – was Sharpton ignorierte. Er umarmte Michaels Geschwister und reichte Michaels Kindern die Hand. Joseph Jackson verdrückte sich, stehengelassen, auf seinen Platz.

Menschen, die damit protzen, George Orwells „1984“ gelesen zu haben, Menschen, die nicht müde werden, ihre Skepsis gegenüber den Medien zur Schau zu tragen und die Ursula von der Leyen als oberflächliche, als naive Ignorantin bemaulen – genau diese Menschen glauben angesichts des Todes von Michael Jackson, was die Medien ihnen vorsetzen, die Medien, die sich zumindest und zuerst der Quote verpflichtet sehen. Und die gedeiht immer gut angesichts von Bigotterie.

Ich war nie ein ausgewiesener Michael-Jackson-Fan (1985, als ich in enem Jugendzentrum Zivildienst machte, ging er mir als Dauerbeschallung in der Teenie-Samstagsdisco sogar ungeheuer auf den Sack). Und ich werde immer ein Skeptiker sein. Ich werde nie aufhören alles und jeden und zuerst mich selbst zu hinterfragen. Und besonders das, was da über meinen superduper Plasmaschirm flimmert. „Euer Vater war nicht seltsam. Seltsam waren die Dinge, mit denen euer Vater umgehen musste“, dieser Satz berührt mich. Und auch die Tränen von Brooke Shields – ausgerechnet die, denn ich war nun wahrlich nie ein Fan von „Die blaue Lagune“.

Niemand von uns war je Kinderstar.

Die Zeichnung da oben stammt übrigens, nach allem was ich weiß, von Michael Jackson. Redet eigentlich irgendjemand über Michaels Vater?

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2009-06-26

Let us offer prayers for all souls leaving as well as those staying. (LeVar Burton)

Michael Jackson ist tot. Die Welt hat eine Ikone im Bereich der Bier- und Whiskyverkostung und den Autor verschiedener Standardwerke zum Thema verloren. 1994 erhielt er die Glenfiddich Trophy. Jackson hatte im englischen Sprachraum großen Einfluss auf die Kategorisierung von Biersorten, vor allem sein 1977 erschienenes Buch “The World Guide to Beer” setzte hier neue Standards. Sein Spitzname war beerhunter. Michael Jackson lebt weiter in seinen Werken wie “Complete Guide to Single Malt Scotch” oder “The World Guide to Beer”. Michael Jackson starb am 30. August 2007. Heben wir unser Glas auf ihn.

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