Walter Cronkite (*04.11.1916, †17.07.2009)

Walter Cronkite. Foto: LIFE, Walter Bennett.

Da sind wir, uns wir füh­len uns wich­tig. Für einen Moment ver­ges­sen wir unsere Sterb­lich­keit, weil wir eine Auf­gabe erfül­len. Die Auf­gabe ist ein Ver­gess­mit­tel, eine Droge. Viel­leicht über­lebt es uns sogar, das, was wir im Dienst der Auf­gabe getan haben? Wir hal­ten uns fest an Mikro­fo­nen und Kame­ras, Din­gen die Spu­ren von dem fest­hal­ten, was unbe­dingt ver­schwin­den wird: wir. Ver­brannt, ver­scharrt, ver­ges­sen. Wer erin­nert sich noch an den Bäcker Joe Kowal­ski, der in der 13., Ecke Union Square in New York von 1902 bis 1943 die bes­ten Bag­les der Stadt machte? Wer erin­nert sich an seine Frau Aneta, die die Sonne auf­ge­hen ließ, wann immer sie das Laden­lo­kal betrat? Und an all die Kun­den, die Aneta und Joe als das größte Traum­paar aller Zei­ten fei­er­ten? Wer erin­nert sich an ihre rau­chige Stimme und ihr unwi­der­steh­li­ches Lächeln? Wer erin­nert sich an Joes chao­ti­sches Wesen, den Wirr­kopf der nur dann voll kon­zen­triert schien, wenn er seine Bag­les ins Honig­was­ser tauchte? Nie­mand. Kein Wun­der, denn ich hab’ ihn gerade erfun­den. Oder nicht? Sehen Sie.

Wem bedeu­tet es hier­zu­lande etwas, dass in Ame­rika gerade Wal­ter Cron­kite gestor­ben ist, der Mann auf dem Foto da oben? Wal­ter Cron­kite, der Hajo Fried­richs der USA. Wer war Hajo Fried­richs? Sehen Sie. Wal­ter Cron­kite. Hin­ter sei­nem Mikro­fon mit dem Tele­fon am Ohr sieht er so aus, als lebe er im fes­ten Gefühl (und er gibt es an uns wei­ter), alles würde immer so wei­ter­ge­hen, als würde alles immer exis­tie­ren, so wie er und seine Auf­gabe: „to hold up the mir­ror – to tell and show the public what has hap­pened“. Dabei ist nichts für ewig und es kommt für alle der Tag, an dem sie nur noch ein Kat­zen­le­ben haben oder weni­ger. Ob wir Bag­les backen, die Liebe unse­res Lebens fin­den, ob wir den Flug­schein machen, um in ein Haus zu flie­gen oder ob wir über all dies berichten.

Das Mikro­fon ist nicht wichtig.

Wich­tig sind die Men­schen, die unsere Hand hal­ten, bis wir wie­der ver­schwin­den. Die sind auch da, wenn wir das Mikro­fon nicht mehr hal­ten kön­nen. Und wer­den wie wir, aber was kön­nen wir schon dage­gen tun, ver­ges­sen von einer Spe­zies, die nicht mal so einen Klein­kram wie Ewig­keit oder die Unend­lich­keit des Uni­ver­sums begreift. Wie Wal­ter Cron­kite immer sagte: „And that’s the way it is”.

Wei­ter mit Musik.

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